Geschichte

Inspirational design since 1890

2015 feierte Artifort sein 125-jähriges Bestehen. Jedes Jahr finden unsere Stühle, Tische und Sofas ihren Weg in die Häuser von Designliebhabern in aller Welt. Alles begann 1890, als Jules Wagemans sich in Maastricht als Polsterer niederließ.

 

 

  • Teilen

125 Jahre Design

Die Fundamente von Artifort wurden von Jules Wagemans gelegt. Er ließ sich 1890 in Maastricht als Tapezierer und Polsterer nieder. Sein Sohn Henricus Wagemans baute den Betrieb zu einer Möbelfabrik aus. Ende der zwanziger Jahre verfügte er über einen im ganzen Land angesehenen Betrieb mit einem Schauraum in Amsterdam.

Die Wirtschaftskrise der Dreißigerjahre zwang H. Wagemans & Van Tuinen, wie die Möbelfirma seinerzeit hieß, zu einer stärkeren Profilierung. Am Beginn standen dabei die Entwicklung eines überzeugenden Markennamens sowie eines Firmenzeichens. Die Möbel mussten sich selbstverständlich auch von anderen unterscheiden. Der Schwerpunkt lag dabei auf Funktionalität, Komfort und Qualität. Dies wurde mit der ästhetisch durchdachten Gestaltung und dem innovativen Einsatz von Materialien kombiniert. 

1928 wurde der neue Markenname eingeführt: Artifort. Abgleitet ist er vom lateinischen „ars“, das Kunst oder Können bedeutet, und von „fortis“, das für Stärke oder Kraft steht. Auch das Wort „Komfort“ findet sich in diesem Markennamen wieder.

Unverwüstliche Technik

Der Durchbruch für Artifort kommt, als die Firma Anfang der Dreißigerjahre beginnt, den Epeda-Federkern einzusetzen. Bis dahin wurden Gras, Rosshaar und Kapok als Füllmaterialien verwendet, bisweilen in Kombination mit Sprungfedern aus Eisen. Das Polstern von Möbeln mit diesen Materialien war besonders arbeitsintensiv. Der Epeda-Federkern stellte eine attraktive Alternative dar. Artifort gelang es, eine Lizenz für das Epeda-Patent zu erhalten. Das Besondere an diesem Federkern, der bereits für Matratzen und Autositze verwendet wurde, besteht darin, dass er aus nur einem einzigen Drahtstück geflochten wird. Dadurch verknüpft der Epeda-Federkern ein hohes Maß an Komfort mit einer guten Haltbarkeit. Zudem führte der Einsatz dieses Federkerns damals zu erheblichen Einsparungen bei der Herstellungszeit.

Kho Liang Ie

Mit dem Innenarchitekten und Möbeldesigner Kho Liang Ie.  Kho Liang Ie, der 1958 ästhetischer Berater bei Artifort wurde, änderte sich vieles. Sein vorausschauender Blick, sein umfassendes Design-Know-how und seine internationalen Kontakte waren nicht nur für die Erfolge in den Sechziger- und Siebzigerjahren entscheidend, sondern wirken sich noch bis zum heutigen Tag aus. 

Artifort und Kho Liang Ie präsentierten aufsehenerregende Entwürfe und sorgten gemeinsam dafür, daas der Name international ein hohes Ansehen erhielt. Architekten und Designliebhaber zählen zu den begeisterten Anhängern. 1959 gewinnt Kho Liang Ie den französischen Designer Pierre Paulin, für das Unternehmen, der neue Techniken und Konstruktionen einführte. Außerdem entwickelt er zusammen mit Harry Sierman ein neues Firmenzeichen für Artifort.

Prägend

Die Entwürfe von Paulin sind innovativ und ausgefallen. Seine auffälligen, bunten Sitzskulpturen erregen im In- und Ausland großes Aufsehen. Bis heute prägen sie stark das Gesicht der Artifort-Kollektion. Für die Herstellung dieser Entwürfe wurde in Zusammenarbeit mit der Entwicklungsabteilung von Artifort eine neue Konstruktionsmethode eingeführt. Artifort benutzte jetzt eingeschäumte Rohrrahmen aus Metall und elastische Bezüge. 1967 lernte Paulin den Textildesigner Jack Lenor Larsen kennen. Ein regelrechtes „Traumpaar“, das die Sicht der Welt auf das Design revolutionierte, in Form, Materialien und Textilien. Jetzt, vierzig Jahre später, hat Artifort exklusiv für die Entwürfe von Paulin den Stoff Momentum wieder in die Produktion genommen.

Anfang der Sechzigerjahre konzentriert sich Artifort stärker auf den internationalen Projektmarkt. Der englische Designer  Geoffrey D. Harcourt entwirft eine umfangreiche Kollektion von Projektmöbeln. Die Möbel sind international sehr gefragt, sodass innerhalb kürzester Zeit ein großes Umsatzwachstum verzeichnet wird. Unter anderem durch den Vertrieb der italienischen Castelli-Möbel erweitert Artifort seine Aktivitäten auf dem Projektmarkt.


Ribbon (1966) | Pierre Paulin

Philosophie

In den darauf folgenden Siebzigerjahren sieht sich Artifort einer wachsenden Konkurrenz durch ausländische Hersteller ausgesetzt. Die Antwort von Artifort lautet wiederum Erneuerung, angefangen beim Firmenstil: 1970 wurde das Firmenzeichen eingeführt, das auch heute noch verwendet wird. Zeitlos wie die Marke selbst.

Unter der mitreißenden, kreativen Führung von Harry Wagemans gelingt es Artifort nach wie vor, sowohl junge als auch etablierte Designer an sich zu binden. Nel Verschuuren, Bruno Ninaber van Eyben, Gijs Bakker, Jeremy Harvey, seinerzeit junge Designer und heute angesehene Namen, übernehmen Stellen bei Artifort. Pierre Paulin und Geoffrey Harcourt ergänzen die Kollektion jedes Jahr mit neuen Möbelstücken. Das Design der Möbel von Artifort unterscheidet sich weiterhin von anderen. Leider darf der ästhetische Berater Kho Liang Ie dies nicht mehr lange miterleben, er stirbt 1975 im Alter von nur 47 Jahren.

Die Firmenpolitik wird in den Neunzigerjahren fortgesetzt. Artifort arbeitet jetzt mit Designern wie  Jasper Morrison, Wolfgang Mezger, René Holten und Jan Pesman zusammen. Dies führt wiederum zu aufsehenerregenden Möbeln, die voll und ganz der Firmenphilosophie und den Werten der Marke gerecht werden. Design, Funktionalität und Qualität gehen dabei Hand in Hand.

Oyster (1960) | Pierre Paulin

2000 und danach

1998 verleiht die Lande Groep aus Schijndel der Marke Artifort neues Leben. Es entstehen neue Fabriken in Schijndel und im belgischen Lanaken, in denen das Know-how in der Möbelherstellung bis zur Perfektion mit der Kunst des Polsterns und Beziehens verknüpft wird.

2007 feiert Pierre Paulin sein 60-jähriges Jubiläum als Designer. Von diesen 60 Jahren hat er 50 für Artifort gearbeitet. Aus diesem Anlass werden der ABCD und der Le Chat im Momentum-Stoff von Jack Lenor Larsen neu aufgelegt: eine Kombination, die nach 40 Jahren wieder viel Aufsehen erregt.

Die Jahre 2011 und 2012 stehen vor allem im Zeichen zahlreicher Produktneuheiten, u. a. mit der Vorstellung von Shark, Reflex und Mare. 2013 bringt Artifort in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma MissoniHome den Patch Knit heraus. Zum ersten Mal kommt die dreidimensionale Stricktechnik aus der Mode bei einem Sitzmöbel zum Einsatz. Nahtlose Bezüge sind damit nicht länger eine Utopie. 2014 wird der Designer  Khodi Feiz zum Art Director ernannt, der Artifort in die Zukunft begleiten soll.

Bras (2014) | Khodi Feiz